Die Cannabis Pflanze:

  • Die Hanf Pflanze oder Cannabis sativa , erhielt ihren Namen und Klassifikation von Linnaeus 1753
  • es ist nicht bekannt, wo die Pflanze ihre Herkunft hat, aber wahrscheinlich in Zentralasien
  • es gibt eine große Vielzahl von Cannabis Variationen, von kleinen Büschen bis zu 20 Fuß hohen Pflanzen (ca.6m)
  • allgemein können die Pflanzen an ihrem charakteristischen Blättern erkannt werden
  • die weiblichen Pflanzen sind buschig und können sehr hoch wachsen
  • männliche Pflanzen sind kleiner und nicht so buschig
  • wegen der Unterschiede in Form und Stärke, unterschieden einige Botaniker 3 Arten: Cannabis sativa, Cannabis indica ,Cannabis ruderalis
  • Es wird aber auch spekuliert , dass es nur eine Spezies gibt (Cannabis sativa), die zwei Phänotypen aufweist (Unterarten oder Variationen)
  • eine wird traditionell in nördlichen Gebieten wegen ihrer Fasern kultiviert
  • sie wächst schnell, hat einen geringen Anteil von aktiven Inhaltsstoffen und wird oft Hanf genannt
  • der andere Typ wird vorwiegend in südlichen Regionen angebaut, wächst langsamer und hat einen relativ hohen Anteil an psychoaktiven Inhaltsstoffen.


Aktive Inhaltsstoffe:

Der aktive Inhaltsstoff in Cannabis ist delta-9-tetetrahydrocannabinol (delta-9-THC)

  • mehr als 60 Cannabinoide wurden bis jetzt identifiziert
  • das häufigste ist delta-9-THC. Ein anderes ist delta-8-THC, aber es kommt sehr viel weniger davon in Cannabis vor als 9-THC

Andere Canabinoide sind Cannabinol (CBN) und Cannabidiol (CBD), aber dieser wird kein Effekt auf das Verhalten zugeschrieben.

Cannabis Zubereitung:

  • die Pflanze wird für den Konsum in verschiedenen Arten zubereitet.
  • die häufigste in Nordamerika ist Marihuana
  • Marihuana wird gewöhnlich in einer Zigarette , Zigarre oder Pfeife geraucht, aber auch in Plätzchen und Kuchen gemischt.

In Indien wird zwischen bhang und ganja unterschieden :
Bhang ist Marihuana ähnlich. Es besteht aus getrockneten Blättern von unkultivierten Cannabis oder weiblichen Pflanzen , von denen das Harz entfernt wurde . Bhang ist nicht sehr stark. Ganja wird aus den weiblichen Pflanzen gemacht ohne das Harz zu entfernen, ist drei bis vier mal stärker als bhang. Haschisch auch als charas in Indien bekannt, entspricht der getrockneten Spitze der weiblichen Pflanzen :

  • ein hellgelber Saft, wenn es gewonnen wird, wird aber fast schwarz nach dem Trocknen
  • es kann auf unterschiedliche Weise konsumiert werden
  • meist wird es geraucht., entweder allein oder mit Tabak, oder wird in Plätzchen und Süßigkeiten gebacken.

Variation von Haschisch ist Hasch-öl oder Red-oil, welches durch Kochen von Haschisch in Alkohol hergestellt wird :

    es ist sehr viel konzentrierter als Haschisch
  • es kann 60% Cannabinoide enthalten und kann leichter geschmuggelt werden
  • es wird unterschiedlich eingenommen :ein Tropfen auf eine Zigarette geträufelt, die dann schnell geraucht wird, es werden auch Tropfen auf eine heiße Folie getan und dann inhaliert.


Synthetische Cannabinoide:

Es wurden einige synthetische Drogen ähnlich den Cannabinoiden entwickelt

  • Synhexyl ( in Großbritannien Parahexyl genannt).
  • Nabilone wird heute klinisch genutzt
  • ein Synthetisches delta-9-THC, Dronabinol (Marinol) wird für verschiedene Zwecke genützt.
  • andere Substanzen wie Levonantradol wurden entwickelt aber nicht vermarktet.


Geschichte:

  • es wird angenommen das Cannabis in Zentral Asien seinen Ursprung hat
  • die Verbreitung hat ungefähr 200 vor Christi Geburt begonnen
  • das verantwortliche Volk für die Verbreitung waren die Skythen
  • das Wort Cannabis ist ein skythisches Wort
  • die Skythen brachten Cannabis nach Ägypten und Palästina und nördlich nach Russland und Europa
  • in China war Cannabis seit dem Neolithikum bekannt (ca. 6000 Jahre lang)
  • die Pflanze wurde wegen ihrer Fasern , ihre Samen wegen der berauschenden Effekte und wegen medizinischen Wirkungen kultiviert
  • Cannabis wurde seit Jahrhunderten in Indien benutzt
  • von Indien wurde die Droge nach Afrika durch arabische Händler verbreitet
  • im Allgemeinen bleiben die giftigen Effekte der Droge unbekannt in Europa , bis auf die Veröffentlichung in der "Club der Hascher" durch den Franzosen Theophile Gautier 1846.
  • Amerikanischer Hanf war von guter Qualität und Hanf wurde ein Haupterzeugnis der amerikanischen Kolonien für mehr als 200 Jahre. Einer der bekanntesten Hanf - Anbauer war George Washington.
  • es wurde in den 20er Jahren über kriminelle Energien und Gewaltverbrechen berichtet, die durch die Droge ausgelöst wurden , dadurch sind Anti-Marihuana Gesetze erlassen worden , welche Strafen auf Besitz und Gebrauch verhängten.


Einnahmeformen:

Oral:

  • THC wirkt als schwache Säure im Körper
  • nur schwer wasserlöslich
  • Cannabinoide werden vom Verdauungssystem absorbiert
  • nur unvollständige Aufnahme von Körper (zwei- bis dreifache Menge wie Inhalation notwendig)
  • Rauschmaximum 2 - 3 Std. nach Verzehr
  • Wirkdauer: 3 - 5 Std. gelegentlich auch länger

Inhalation:

  • bekanntester Aufnahmeweg
  • rasch und nahezu vollständig vom Körper resorbiert
  • schon nach ca. 15 min THC-Gehalt im Blutplasma auf Höchstwert
  • dann erste verhaltenswirksame Effekte
  • Wirkdauer: selten länger als 1 - 2 Std.


Verteilung im Körper:

THC besitzt eine hohe Lipidlöslichkeit. Dadurch erreicht es fast alle Körperregionen und somit auch den Blutkreislauf. Hohe Konzentrationen von THC befinden sich in der Lunge ( bei Inhalation ), in den Nieren und in der Leber. Die Blut-Hirn-Schranke stellt wie bei anderen Drogen kein Hindernis dar. Aber es gelangt nur ca. 1% der aufgenommenen Menge ( 2 - 44 mg) ins Hirn.



Metabolismus:

  • Verarbeitung je nach Aufnahmeform in Lunge bzw. Darm
  • Hauptverarbeitung in der Leber
  • Umwandlung von Delta-9-THC in 11-hydroxy-delta-9-THC
    • Substanz ist aktiver
    • gelangt schneller durch Blut-Hirn-Schranke
  • diese Substanz wird schnell in andere Stoffe mit eigenen Effekten abgebaut
  • Cannabidiol (CBD) wirkt sich auf Verarbeitung von THC aus
    • blockiert Enzym für den Metabolismus von Delta-9-THC
    • verlangsamt Verarbeitung und verzögert Verteilung
  • Cannabinol (CBN) gegenteiliger Effekt
    • Beschleunigung des Metabolismus von THC
  • CBD und CBN interagieren mit THC im Körper
    • steigern die Rate von THC, welcher zur Verteilung im Hirn zur Verfügung steht
  • erste Verarbeitungsphase von Delta-9-THC sehr schnell, aufgrund der kurzen Halbwertszeit von ca. 30 min beim Menschen
  • zweite Phase durch lange Entlassungsrate vom Körperfett ins Blut 20 - 30 Std.
    THC-Spiegel im Blut nimmt relativ schnell ab und der Rauschzustand klingt ab (erste Verarbeitungsphase), bleibt aber auf niedrigem Niveau über Tage hinweg bestehen (zweite Verarbeitungsphase) ® daher kann weitere Dosis Wirkung intensivieren und verlängern


Neuropharmakologie

 

 

 

 

 

Bis in die 80er Jahre war der Wirkmechanismus von Cannabis weitgehend unbekannt. Es wurde angenommen, dass diese Substanz ähnlich einem Anästhetikum wirkt. 1990 wurde ein Rezeptor für Cannabinoide entdeckt. Es wurden zwei Typen von Rezeptoren identifiziert, CB 1 im zentralen Nervensystem und CB2 im peripheren Nervensystem. Diese CB 1 Rezeptoren befinden sich beispielsweise in den Basalganglien und im Kleinhirn (dort werden Bewegungsabläufe gesteuert), in der Hirnrinde, besonders im Stirnbereich (Verantwortlich für die Hochstimmung nach dem Konsum) und im Hippocampus (daher Gedächtnisstörungen). Die Stoffe, die sich normalerweise an den Cannabinoidrezeptor binden werden als Endocannabinoide bezeichnet. Der erste entdeckte Stoff dieser Klasse war Anandamid. Dieser Stoff besitzt ähnliche pharmakologische Wirkungen wie die Cannabinoide. Der CB1 Rezeptor bewirkt unter anderem auch die physische Abhängigkeit vieler Drogen, wie beispielsweise den Opiaten, Morphinen und dem Heroin.



Effekte von Cannabis:

Effekte auf den Körper:

  • blutunterlaufene Augen; als Folge der Ausdehnung der kleinen Blutgefäße (bekannt unter dem umgangssprachlichen Begriff "stoned"
  • trockener Mund; daher Neigung zum häufigen Trinken nach dem Konsum
  • gesteigerter Appetit (=munchies) ca. 3 Std. nach Genuss
  • steigende Herzrate (bis 160 Schläge/min)
  • sinkende Körpertemperatur
  • gelegentliche Schwindelgefühle

Medizinische Effekte:

  • THC reduziert zu hohen Augendruck (Glaucom-Patienten ® Behandlung mit Marihuana)
  • Krebspatienten erhalten während der Chemotherapie gegen Übelkeit und Erbrechen synthetisches Cannabinol (NabilonÒ oder in Sesamöl formuliertes THC (DronabinolÒ
  • THC wird als Antikonvulsivum gegen spastische Anfälle verabreicht
  • bei Aids- und Krebspatienten werden Cannabisprodukte zur Förderung des Appetits verabreicht (Gewichtzunahme)
  • Cannabinoid vermindert Schmerzreaktionen

Effekte auf den Schlaf:

  • Marihuana verursacht Schläfrigkeit und steigert den Schlaf
  • geringe Dosen haben keine bzw. nur geringe Auswirkungen auf die Schlafphasen
  • höhere Dosen stören Schlaf bis hin zu Schlaflosigkeit; schlechte Schlafqualität (häufiges Aufwachen, Alpträume)

Effekte auf das Verhalten und die Wahrnehmung:

Stimmungsänderung und Hochgefühl:

  • Konsum erzeugt gute Laune, Ausgelassenheit, Hochgefühl bis hin zur Euphorie (bekannt unter dem Begriff "High" sein) begleitet von häufigem Lachen,
  • wenn alleine konsumiert oft Bericht von Angstgefühlen und Depressionen, Träumen und die starke Wahrnehmung des subjektiven Empfindens
  • Wahrnehmung wird gestärkt und sensorische Effekte deutlicher empfunden
  • körperliche Anstrengung wird vermieden, passive Haltung
  • Vermutung: Umgebung hat entscheidenden Einfluss auf die wahrgenommene Wirkung der Droge
  • Ablenkung durch Fernsehen und Musik hören

Wahrnehmung:

Cannabis steigert die sensorische Empfindlichkeit der Konsumenten. Aber Tests haben ergeben, dass keine Änderung der auditorischen und visuellen Schwelle erfolgt. Die Probanten berichteten jedoch subjektiv von einer verstärkten Empfindung. Die Schmerzempfindlichkeit nimmt ab. In der Zeitwahrnehmung geht das Zeitgefühl häufig völlig verloren (die Zeit vergeht subjektiv schneller).

Gedächtnis:

  • kein Effekt auf bereits gelerntes Wissen (z.B. Objekt- und Worterkennung)
  • Problem Kurzzeitgedächtnis:
    Informationen werden kurze Zeit im Gedächtnis gehalten, aber dann gleich wieder vergessen (keine Speicherung) = temporale Disintegration
  • ähnliche Effekte wie bei Langzeitalkoholikern = Korsakoff-Syndrom

Aufmerksamkeit:

Es erfolgt eine Beeinträchtigung der Wachsamkeit und damit der Aufmerk-samkeit, besonders bei Aufgaben, die länger als 50 min. dauern. Es geht die Fähigkeit verloren über einen längeren Zeitraum mit den Gedanken bei einem Problem zu bleiben. Es kommt also zu einer mangelnden Konzentrationsfähigkeit.

Leistungsfähigkeit:

Versuche die genauen Effekte von Cannabis auf das Leistungsvermögen zusammenzufassen sind gescheitert. Aber es besteht kein Zweifel daran, dass bestimmte Aufgaben- und Problemlösungsmechanismen beeinträchtigt sind. Bei der Erfassung gibt es jedoch eine große Variabilität. Eine bekannte Auswirkung bezieht sich auf die Hand-Auge-Koordination. Aber die erfassten Defizite können auch von der Beeinträchtigung der Wahrnehmung oder der fehlenden Konzentration ausgehen.

Autofahren:

  • Tests in Fahrsimulatoren
  • nur geringe Auswirkung auf Fahrzeugkontrolle
  • Aber: periphere Stimuli werden schlechter Wahrgenommen
    keine langanhaltende Konzentration
    häufige Selbstüberschätzung der eigenen Fähigkeiten (Konsumenten fühlen sich nüchtern)


Toleranz

  • Bei Labortieren: Toleranz zur THC-Wirkung schnell entwickelt
  • Abhängig von Dosis und Verabreichung kann nach 5 bis 6 Tagen vollständige Toleranz vorliegen, welche einen Monat oder länger dauern kann
  • Toleranz scheint nicht verbunden zu sein mit Veränderungen in Aufnahme, Metabolismus oder Ausscheidung der Droge
  • Bei Menschen: Unstimmigkeiten in Forschungsergebnissen
  • Marihuana-Raucher berichten über Sensitivierung für THC, sie werden empfindsamer für die Wirkung, entgegengesetzte Toleranz; konnte in Laboren nicht gefunden werden
  • Allgemein: Toleranz entwickelt sich zu fast allen Effekten der Cannabinoide


Entzug

  • Bei Tieren: nach langer Verabreichung von hohen Dosen Beobachtung von Entzugserscheinungen; aber: synthetische Cannabinoide über zwei Wochen verabreicht- kein Entzug zu beobachten, erst nach Blockierung der Cannabinoid-Rezeptoren
  • Bei Menschen: ohne Verwendung von Blockern, hohe Dosis, alle vier Stunden über zwölf Tage; Ergebnis: "innere Unruhe", Schweißausbrüche, laufende Nase, Schluckauf und Appetitlosigkeit


Selbstverabreichung

  • In Experimenten arbeiten Menschen für Joints, starke und Gelegenheitsraucher, Anstieg in konsumierter Menge, kaum Abstinenz oder Pausen zwischen den Tagen, nur starker Anstieg am letzten Tag (!), Vpn versuchten, ein best. Level an High-sein zu erreichen und stoppen die Einnahme bei Erlangen des Zustandes
  • Kurios: Versuch mit THC-haltigen und -freien Zigaretten, kein Unterschied zwischen Häufigkeit des Rauchens


Schema des Gebrauches

  • Cannabis ist häufig eine soziale Droge (Ritual, große Anlässe)
  • Selten raucht man das "erste" Mal allein, Gefühle von geteiltem Wohlfühlen und Intimität ® mögliche Gründe auch für Fortführung des Missbrauchs
  • In Ländern mit langer Geschichte des Cannabis-Gebrauches andere Muster des Konsums als in Europa oder Nordamerika: extensive Dosen jeden Tag, selten Gelegenheitsraucher (Durchschnitt starker Raucher in USA 50 mg THC, in Asien 200 mg THC am Tag)

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